Rotary Jo Goth - das Rotary Modell Dorf in Pakistan
160 flutgeschädigte Familien haben ein neues Zuhause

 
Folker Flasse / Klaus Klennert / Alois Kühn
Im August 2010 wurde in Pakistan eine Fläche von der Hälfte Deutschlands von verheerenden Hochwassern überflutet. Fast die gesamte Infrastruktur und 2 Mio. Häuser wurden zerstört und 14 Mio. Menschen wurden obdachlos. Rotary Pakistan und Rotary Deutschland leisteten vorbildliche Not- und Wiederaufbauhilfe (vgl. dazu den Artikel "Über eine Million Euro für Flutopfer" im Rotary Magazin 3/2013, S. 12-14 und www.rotary-deutschland-pakistan.de). Ein Glanzstück dabei ist der Aufbau eines vollkommen neuen Dorfes bei Thatta in der Provinz Sindh, zwei Autostunden nördlich von Karachi. Das Dorf heißt "Dorf von Rotary" oder in Sindhi "Rotary Jo Goth".
 
Jo Goth
 
Foto: Folker Flasse, 28.11.2017

 
Die Initiative dazu hatte PDG Faiz Kidwai als Vorsitzender des Humanitarian Trust Fund (HTF) ergriffen. HTF ist der Sozialfond des Distrikts 3271 (Pakistan Süd) mit seinen rund 90 Rotary Clubs. Mit rotarischen Spenden aus Pakistan, Deutschland und sogar Indien konnten im Rotary Dorf insgesamt 160 neue Schlichthäuser errichtet und Flutopfern des Jahres 2010 übergeben werden. 55 dieser 160 Häuser wurden mit rotarische Spendengeldern aus Deutschland finanziert, mehrheitlich mit Spenden von Rotary Clubs des Distrikts 1800. Der Länderausschuss Deutschland-Pakistan, der Distrikt 1840/41 und RDG/Düsseldorf waren dabei federführend für die Projektfindung, die finanzielle Abwicklung, Kontrolle und Abrechnung des deutschen Beitrages.
 
Am 28. November 2017 besuchte Folker Flasse, Ehrenmitglied des RC Düren und Mitglied des Länderausschusses, gemeinsam mit District Governor 3271 Ovais Ahmed Kohari, PDG Faiz Kidwai und seiner Frau (IWC Münster Prinzipal) das Rotary-Dorf. Hier nun sein Bericht für den Länderausschuss:
 
Jo Goth
 
Vlnr.: PDG Faiz Kidwai, der Vater des Rotary Dorfes, DG 3271 Ovais Ahemd Kohari, Folker Flasse, RC Düren, mit seiner Frau und weiteren Rotariern (Foto: Folker Flasse, 28.1.2017)

 
"Das Dorf auf einer leichten Anhöhe 11 km rechts der Straße von Thatta (Sindh) nach Hyderabad besteht zur Zeit aus 160 einfachen Ziegelhäusern mit Flachdach, abgesetzter Kochstelle und kleinem Bad/Toilette. Zu jedem Haus gehört jeweils ein kleines Hofgrundstück. Die Häuser bestehen aus einem oder zwei Räumen mit Veranda und sind in Reihen angeordnet. Einige gepflasterte Wege verbinden die Häuser.
 
Jo Goth
 
4 Beispiele für die in Rotary Jo Goth errichteten Schlichthäuser (Fotos: Faiz Kidwai 2016)
 

 
Für jeweils fünf bis sechs Häuser gibt es eine Wasserstelle mit fließendem Wasser. Das Wasser wird aus einem nahen See in einen Vorratstank gepumpt, dann mittels Solartechnologie gereinigt und in die Leitungen geleitet. Da es in der Region keinen Frost gibt, liegen die Wasserstellen im Freien. Die verfügbare Wassermenge ist abhängig von dem jeweiligen Wirkungsgrad der Solaranlage. Die Solarpaneele waren bei unserem Besuch stark eingestaubt. Wir haben die Dorfbewohner darauf hingewiesen, dass die Paneele von Zeit zu Zeit abgewaschen werden müssen.
 
In einem Haus sind zwei kleine Klassenräume untergebracht. In einem Klassenzimmer drängten sich ca. 30 bis 40 Kinder der 1. bis 3. Klasse auf primitiven Stühlchen. Ein Lehrer unterrichtet die Kinder. Die Kinder und Jugendlichen, die kaum Abwechslung haben, möchten ein Cricket- und ein Fußballteam aufstellen und baten um Sportgerät, Bälle und Trikots. Folker Flasse hat sofort vor Ort einen Betrag für eine Erstausstattung übergeben und wird aus Deutschland mit Emblem bedruckte Trikots ins Dorf schicken.
 
Jo Goth
 
Foto: Folker Flasse, 28.11.2017

 
Jo Goth
 
Inzwischen wurden die von HCS gestifteten Trikots in Jo Goth freudig in Empfang genommen.
Foto: Muhammad Hammad, 03.06.2018

 
Fast jeder Hausbesitzer besitzt einige Hühner, Ziegen, Kühe oder ggf. auch einen Esel. Ein Teil der Bewohner arbeitet als Tagelöhner in der nahen Landwirtschaft oder lebt als Fischer (Teiche oder Indus).
 
Die Häuser werden von Familien bewohnt, die ihr Hab und Gut bei der großen Flut im Jahr 2010 in Indus-Nähe verloren hatten. Die Vergabe der Häuser wurde von den 32 RCs aus Karachi vorgenommen. Eines der ersten Häuser wurde einer durch Polio gelähmten Frau zugeteilt, die niemand aufnehmen wollte.
 
Einen großen Anteil an Planung und Aufbau des Dorfes hat PDG Freund Faiz Kidwai als bekannter Architekt Karachis. Er wurde von weiteren Rotariern der Clubs in Karachi und dem RC Thatta unterstützt. Ihm gelang es, die zuvor angesetzten Preise pro Haus von 1300 Euro auf 1100 zu drücken. Die späteren Bewohner der Häuser mussten keinen eigenen Geldbeitrag leisten (können sie mit ihren begrenzten Mitteln auch gar nicht.) Den inneren Verputz sollen sie aber selbst leisten. Weitere Häuser sind noch im Bau. Faiz Kidwai plant einen Economic Development Plan, um das Dorf auf noch sicherere Füße zu stellen.
 
Obwohl die Häuser ungefähr Garagengröße haben, werden sie von den Bewohnern als "unsere Paläste" bezeichnet (Originalton). An einigen Häusern sind Hinweisschilder auf die Rotary-Spenden aus Deutschland angebracht. Zum Abschluss baten uns die Dorfbewohner, dem Länderausschuss und damit ganz Rotary Deutschland Ihren Dank zu übermitteln. Ihnen ist die deutsche Hilfe sehr bewusst."
 
Jo Goth
 
Foto: Folker Flasse, 28.11.2017

 
Folker Flasse, RC Düren, Distr. 1870
Klaus Klennert, RC Weilheim (Obb.). Distr. 1841
Alois Kühn, RC Einbeck-Northeim, Distr. 1800
alle Länderausschuss Deutschland-Pakistan
 

Jo Goth

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